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Religion & Politik im Islam

Gerechter Krieg - Der Trick mit der "Guten Tat" auf Basis des Katechismus der Katholischen Kirche (KKK)

 von Christoph Sanders , 15.03.2013 15:19

Man kann ja viel über "gute/notwendige" bzw. "gerechte" Kriege lesen; was letzten Endes hinter dieser Propaganda steht, weiß man ja als einigermaßen aufgeklärter Bürger heutzutage.
Gerade sind mir 2 google-Treffer untergekommen:
- US-Bischofskonferenz: Libyen-Krieg ist 'gerechter Krieg' - KATH.NET
- US-Kardinal: Angriffe auf Afghanistan sind 'gerechter Krieg' - KATH.NET
Wenig überraschend ist dabei, daß beide Seiten (sind schon etwas älter) nicht mehr aufrufbar sind. Aber was erwartet man von kath.net. Ich denke, daß diese Seite nicht nur bei mir den Eindruck hinterläßt, prozionistisch-antiislamisch zu sein. Eine ganz typische Kombination in unserer Zeit.
Hier einer der Artikel auf einer anderen Webseite. Mal schauen, ob der demnächst auch verschwindet.
http://www.katolsk.no/nyheter/2001/10/20-0009

Was steht dahinter? Natürlich der Katechismus der Katholischen Kirche als kurzgefasste Zusammenstellung katholischer Glaubensinhalte. Dazu gleich.
Normalerweise vermeide ich es ja schlecht über die katholische Kirche zu reden -auch wenn es viel zu kritisieren gibt-, weil es DIE Katholische Kirche ja nicht gibt. Man hat verschiedene Ebenen. Die Gemeinschaft der Katholiken, die katholische Geistlichkeit, die Laien (einzeln oder organisiert). Einmal sehr einfach ausgedrückt.
Aber dieser Fall ist so gravierend, dass da einmal einiges klargestellt werden muss. Hier geht es nämlich um zentrale Glaubensinhalte, von denen alle Katholiken betroffen sind.

Zum Kathechismus. Diese Zusammenstellung katholischer Glaubensinhalte muß meines Erachtens, und da bin ich mir sehr sicher, in seiner Gesamtheit geglaubt werden. Man kann sich nicht einige Punkte herauspicken und das, was einem nicht gefällt oder was man nicht versteht, ignorieren.
Von einer anderen Seite betrachtet, heißt das auch, daß es keine einzige Aussage im KKK geben darf, die einer anderen widerspricht. Ansonsten MUSS man sich nämlich einen Punkt herauspicken und einen anderen ignorieren. Der KKK darf keine Widersprüche enthalten.
Sonst kann man nämlich an anderer Stelle dazu verleitet werden, sich einiges herauszupicken, was man glauben will, und anderes zu ignorieren.

In der Einleitung des KKK heißt es:"Mit Gottes Hilfe vermochten die Konzilsväter im Verlauf vierjähriger Arbeit eine beachtliche Fülle von Lehraussagen und pastoralen Richtlinien für die ganze Kirche zu erarbeiten."


Es gibt aber mindestens einen Widerspruch im KKK und man muß sich natürlich fragen, wo denn Gottes Hilfe bei der Erarbeitung des KKK aufgehört hat.


KKK
1759 Keine in guter Absicht vollzogene schlechte Tat wird entschuldigt“ (Thomas v. A., dec. præc. 1) Der Zweck rechtfertigt die Mittel nicht.

2308 Jeder Bürger und jeder Regierende ist verpflichtet, sich für die Vermeidung von Kriegen tätig einzusetzen.

Solange allerdings „die Gefahr von Krieg besteht und solange es noch keine zuständige internationale Autorität gibt, die mit entsprechenden Mitteln ausgestattet ist, kann man, wenn alle Möglichkeiten einer friedlichen Regelung erschöpft sind, einer Regierung das Recht auf sittlich erlaubte Verteidigung nicht absprechen" (GS 79,4).

2309 Die Bedingungen, unter denen es einem Volk gestattet ist, sich in Notwehr militärisch zu verteidigen, sind genau einzuhalten. Eine solche Entscheidung ist so schwerwiegend, daß sie nur unter den folgenden strengen Bedingungen, die gleichzeitig gegeben sein müssen, sittlich vertretbar ist:

- Der Schaden, der der Nation oder der Völkergemeinschaft durch den Angreifer zugefügt wird, muß sicher feststehen, schwerwiegend und von Dauer sein.

- Alle anderen Mittel, dem Schaden ein Ende zu machen, müssen sich als undurchführbar oder wirkungslos erwiesen haben.

- Es muß ernsthafte Aussicht auf Erfolg bestehen.

- Der Gebrauch von Waffen darf nicht Schäden und Wirren mit sich bringen, die schlimmer sind als das zu beseitigende Übel. Beim Urteil darüber, ob diese Bedingung erfüllt ist, ist sorgfältig auf die gewaltige Zerstörungskraft der modernen Waffen zu achten.

Dies sind die herkömmlichen Elemente, die in der sogenannten Lehre vom „gerechten Krieg" angeführt werden.

Die Beurteilung, ob alle diese Voraussetzungen für die sittliche Erlaubtheit eines Verteidigungskrieges vorliegen, kommt dem klugen Ermessen derer zu, die mit der Wahrung des Gemeinwohls betraut sind.



Und genau hier widerspricht sich der Katechismus. Man versucht aber diesen Widerspruch zurechtzubiegen, so daß es nicht mehr nach Widerspruch aussieht.


Ich habe schon von mehreren Seiten -auch ein Priester war dabei- exakt das gleiche Beispiel gehört, das versucht, diesen Widerspruch aufzuheben. Über einen ziemlich üblen Trick, den ich dem einzelnen, der ihn gebraucht, aber gar nicht anlasten will. Es ist nämlich auf den ersten Blick nicht so einfach zu erkennen, was wirklich dahintersteckt. Übel deshalb, weil er das 5.Gebot "Du sollst nicht morden/töten" relativiert.

Als Beispiel wird das Attentat auf Hitler angeführt. Das hat zwar mit Krieg nur indirekt zu tun, wurde aber in diesem Zusammenhang mehrfach verwendet. Mit Hilfe dieses Beispiels wird versucht einem einzureden, daß auch das Töten in bestimmten Situationen für Christen erlaubt sein kann.
Was hierbei also gemacht wird, ist Folgendes:

KKK 1759 sagt: "Keine in guter Absicht vollzogene schlechte Tat wird entschuldigt"
Der Mordversuch an Hitler wird also zur "guten Tat" umdefiniert, indem man die Tat selbst (Mord) und die gute Absicht dahinter in einen Topf wirft, gut verrührt, und das fertige Gericht dann "gute Tat" nennt. Und jetzt hat man ein ziemliches Problem, wenn man die 10 Gebote und den KKK ernst nimmt. KKK 1759, wo explizit von "schlechter Tat" gesprochen wird, lässt sich nämlich nicht mehr anwenden. Durch das Zusammenfügen der Mordtat (in diesem Fall der Mordabsicht) mit der guten Absicht dahinter zur "guten Tat".

Aber natürlich hat man bei der "schlechten Tat" den gleichen Hintergrund. Wer definiert, was schlecht ist? Da gibt es natürlich verschiedene Möglichkeiten; womit man aber als Christ IMMER Recht hat, ist zu sagen, daß jede Tat, die gegen eines der Gebote Gottes oder Jesu verstößt, eine schlechte Tat ist. Der Mord an Hitler wäre in jedem Fall aufgrund des Verstoßes gegen das 5. Gebot Gottes eine schlechte Tat. Wer das versucht umzudefinieren, indem er die Tat und die gute Absicht dahinter zur "guten Tat" verrührt, versündigt sich gegen die 10 Gebote Gottes. Das ist auch eine ganz allgemeine Sache. JEDER Mord, egal aus welchen Gründen man ihn begeht, ist ein Verstoß gegen das 5. Gebot Gottes.
Ich vermute, man hat das Hitlerattentat als Beispiel gewählt, um Widerspruch schon im Keim zu ersticken.

Jetzt zum Krieg. Kriegshandlungen, die ja darauf abziehlen, Gegner zu töten, was per jurisischer Definition ja kein Mord wäre, verstoßen zumindest gegen das Gebot der Nächstenliebe.

KKK 1856 (zur Todsünde)
...„Wenn der Wille sich zu etwas entschließt, was der Liebe, durch die der
Mensch auf das letzte Ziel hingeordnet wird, in sich widerspricht, ist diese
Sünde von ihrem Objekt her tödlich ...‚ verstoße sie nun, wie die
Gotteslästerung, der Meineid und ähnliches gegen die Liebe zu Gott oder, wie Mord, Ehebruch und ähnliches gegen die Liebe zum Nächsten"...


Krieg bringt es immer mit sich, daß Menschen das Leben genommen wird. Ganz egal ob man das nun als Mord oder Töten bezeichnet. Es ist IMMER gegen die Nächstenliebe gerichtet. Und von "Kollateralschäden" möchte ich gar nicht sprechen. Auch hier gibt es diesen Widerspruch zu KKK 2308,2309. Eine gegen die Gebote Gottes und Jesu verstoßende Tat bleibt IMMER eine schlechte Tat, egal wie sehr man versucht, diese zur "guten Tat" umzudefinieren.

Man muß hier bei "katholischer" Argumentation sehr aufpassen, ob versucht wird eine schlechte Tat mit einer guten Absicht dahinter zur "guten Tat" zu verrühren. Denn genau das trennt KKK 1759 ganz klar. Und das MUSS auch getrennt werden.


Christoph Sanders
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