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Religion & Politik im Islam

Corona und Imamat – Grundsätzliche Gedanken zur Befolgung der Heiligkeit unserer Zeit

 von Yavuz Özoguz , 03.11.2020 13:17

Corona und Imamat – Grundsätzliche Gedanken zur Befolgung der Heiligkeit unserer Zeit



Der folgende Text ist eine Ausarbeitung von Gedanken meiner Wenigkeit zum Umgang mit den Verwerfungen der Zeit im Rahmen der Berücksichtigung der Heiligkeit unserer Zeit. Der Text ist – auch wenn er öffentlich gemacht wird – nicht für die Allgemeinheit bestimmt, da diese mit den meisten Begriffen und Erläuterungen im Text ohnehin nichts anfangen kann. Er ist auch nicht an die gerichtet, die Leuten wie meiner Wenigkeit bei jeder Gelegenheit vorwerfen, wir würden die Heiligkeit unserer Zeit zu „fanatisch“ befolgen, oder für jene, die nur nach Gelegenheiten suchen, meinesgleichen nachzuweisen, dass unsere Befolgung fehlerhaft sei. Der Text dient zum Verständnis des Grundprinzips Imamat, das zum Frieden auf Erden führen würde, wenn hinreichend viele Menschen – ob Muslim oder nicht – das Imamat (den Führungsauftrag) der Heiligkeit unserer Zeit Imam Chamenei verstehen und annehmen würden.

Zunächst einmal bedarf es einer Begriffsklärung. Der Begriff „selbstständige Rechtsfindung“ [idschtihad] wird oft auf die religiösen Regeln begrenzt und bedeutet, dass man aus dem Wissen der Quellen zu aktuellen Schlüssen kommt. Als Rechtsgelehrter [mudschtahid] gilt jener, der die moralische und wissenschaftliche Legitimation zu der selbstständigen Rechtfindung hat. Es ist selbsterklärend, dass jemand entweder selbst Mudschtahid ist, um seine religiöse Expertise zu bestimmen, oder aber sich einen geeigneten Rechtsgelehrten als Vorbild aussucht, dessen Rechtsurteil er vertraut. Jene Rechtsgelehrten sind als Vorbild der Nachahmung [mardscha-ut-taqlid] bekannt. In der muslimischen Welt gibt es sowohl bei Schiiten als auch bei Sunniten sehr viele solche Vorbilder, wobei sie bei Sunniten anders genannt werden (Obermufti, Scheich von Al-Azhar usw.). Es gibt umfassende Vorbilder, die in allen Bereichen des Religionsrechts Experte sind, und es gibt Spezialisten, die sich auf bestimmte Bereiche konzentrieren. Ich erinnere mich an eine Zeit in Deutschland, als bestimmte Festtage immer abweichend vom Imam-ul-Umma gefeiert worden sind, weil die Expertise des Vertreters des Imams zu solchen Schlüssen kam. Gleichzeitig gab es aber auch Brüder, die sich auf das Thema spezialisiert hatten und der Expertise des Vertreters widersprachen. Die logische Lösung in solchen Fällen war, dass sich alle jene, die sich mit dem Thema intensiv befasst hatten, an einen Tisch gesetzt und ihre jeweilige Expertise ausgetauscht haben. Seither gab es keine abweichenden Feiertage mehr – Gott sei Dank.

Es ist eine Fehlvorstellung, dass diese Vorbildfunktion sich allein auf das Religionsrecht und angrenzende Rechtsgebiete beschränkt. Die Expertise eines Arztes – wenn er die Qualifikation dazu hat – ist ebenfalls eine Art selbstständige Rechtsfindung in seinem Gebiet. Und es ist bekannt, dass selbst höchste Arzt-Experten zuweilen zu gegensächlichen Schlüssen kommen können. Es ist für die Heiligkeit unserer Zeit bis zum Erscheinen des Erlösers – möge er bald erscheinen – unmöglich oberster Experte in Klimaschutz, Medizin und Virologie, Sattelitentechnik, Verteidigungsstrategie, Agrarwissenschaft und Finanzwesen zu sein. Bei den Urteilen diesbezüglich muss er sich auf geeignete und vertrauenswürdige Experten stützen.

Mit dem Thema „Corona“ beschäftige ich mich nunmehr seit über acht Monaten intensiv. Dabei spielen für mich die abstrusen Ansichten von sogenannten Verschwörungstheoretikern, die Trump anbeten, oder Corona-Leugnern, die auch jeden „Ausländer“ gerne „zurückführen“ würden, keine Rolle. In diesem Rahmen hat Corona nur aufgedeckt, welch enormes Potential an Unmenschlichkeit in unserer Heimat Deutschland besteht und wie leicht viel zu viele Menschen manipulierbar sind. Meine eigenen Schlüsse basieren vielmehr auf international anerkannte wissenschaftliche Studien, die meines Erachtens unter anderem sehr schön auf der Seite der Swiss Policy Research zusammengefasst sind [1].

Meine resultierende Meinung zum Thema kann in folgenden Worten zusammengefasst werden: Corona ist ein Virus, dessen Auswirkungen je nach Betroffenem schlimmer oder weniger schlimm als eine Jahrhundertgrippe sein kann. Der bisherige Schaden – zumindest in Deutschland – ist weitaus geringer als bei einigen früheren Grippen. Die aktuellen Maßnahmen sind meines Erachtens nach total überzogen sowie unverhältnismäßig und bewirken zuweilen mehr Schaden als Nutzen. Die Politik vieler Staaten – insbesondere in der Westlichen Welt – tendiert unter dem Schirm der Corona-Maßnahmen zu einem Totalitarismus, wie ihn die Welt zuvor kaum gesehen hat. Keinem einzigen der westlichen Politiker – auch nicht den Deutschen – glaube ich, dass sie die Maßnahmen aus rein menschlichen Erwägungen treffen. Dazu nur ein einfaches Gegenbeispiel: Derzeit sterben in der Welt tagtäglich ca. 30.000 Menschen an Hunger, während die Maßnahmen, um diesem Massenmord entgegen zu treten, nicht nur bekannt, sondern auch vorhanden sind. Die damit verbundenen Kosten wären weitaus geringer als das, was wir derzeit unseren Enkeln an Staatsverschuldung aufbürden wegen Corona. Und die Westliche Welt hat sich ohnehin das Monopol des unbegrenzten Gelddruckens genehmigt, so dass es auch problemlos möglich wäre die Hungernden zu retten. Hunger ist aber nicht ansteckend und die Hungernden sind keine Wähler in Europa und tragen somit nicht zum Machterhalt bei, welcher das dominierende Ziel von korrupten Eliten ist. Das hängt vor allem damit zusammen, dass Demut in der westlichen Politik als Schwäche gilt.

Die aktuellen Regeln der Abstandshaltung bei Treffen mit zwei Haushalten, die auch mehrere Haushalte sein können, wenn es sich um enge Verwandte handelt, überfordern selbst Juristen. Und niemand ist in der Lage zu erklären, warum eine Fahrgemeinschaft zur Arbeit gemeinsam in einem PKW sitzen, die gleiche Fahrgemeinschaft aber nach der Arbeit nicht zusammen Kaffee und Kuchen genießen darf. Die Regeln sind im Detail so absurd, dass es an fahrlässige Provokation und heraufbeschwören eines Bürgerkrieges grenzt. Insbesondere die Maskenregeln grenzen für mich an Nötigung. Auch was sie mit unseren Kindern machen, diese eingeschränkte Schulausbildung, diese zuweilen aufgezwungene Maskenpflicht im Unterricht und vieles andere mehr sind Aspekte, für die ich die Verantwortungsträger eines Tages im Jenseits anklagen werde – so Gott will. Ich denke, dass diese Zusammenfassung hinreichend ist, um meine Einstellung zum Thema Corona darzulegen.

Jetzt kommen wir zum eigentlichen Grund dieses Artikels. Die ausgerufene Pandemie ist nicht auf irgendeinen Kontinent begrenzt und betrifft – leider in sehr schwerem Maß – auch das Land, in dem mein Imam lebt. Die Heiligkeit unserer Zeit Imam Chamenei nimmt an verwaisten Gedenkveranstaltungen statt und sitzt völlig allein in einem riesigen Saal mit Mundschutz. Immer wieder ruft er die Bevölkerung auf, den Anweisungen der Gesundheitsbehörden zu folgen und in letzter Zeit weist er mehr als in der Anfangszeit auf die Bedrohungen durch das Virus hin.

Kurz zusammengefasst lässt sich feststellen, dass die aktuellen Hinweise meines Imams im Widerspruch zu meiner eigenen Expertise stehen. Ich kenne weder die den Imam beratenden Experten noch die genauen Hintergründe für dieses Vorgehen meines Imams. Ich weiß nur, dass die Aussagen meinem eigenen Empfinden, meinem Wissen und meinen Analysen widersprechen. Zwar könnte ich mich jetzt damit herausreden, dass sich alle Anweisungen Imam Chameneis auf den Iran beschränken und die Umstände im weltweit bekämpften und sanktionierten Iran sicherlich in vielen Bereichen nicht vergleichbar sind mit den Umständen in einem reichen Deutschland, aber das würde mich nicht hinreichend befriedigen.

Genau an dieser Stelle setzt das Imamat-Prinzip ein! Meine eigene Meinung spielt keine Rolle mehr. Ich habe meinen Imam nicht gewählt wegen irgendwelcher Corona-Maßnahmen, sondern weil ich keinen Zweifel daran habe, dass er die Heiligkeit unserer Zeit ist. Solange dieser Zustand anhält – und aktuell wird er tagtäglich intensiver – ist meine eigene Meinung irrelevant. Ich gehe dabei sogar einen Schritt weiter. Selbst wenn mein Wissen – also nicht nur meine Meinung – der Ansicht des Imams widersprechen würde, so würde ich dieses Wissen zurückstecken in der Vorstellung, dass hier Zusatzwissen im Spiel sein könnte, was die Urteilsfindung beeinflusst und ich es nicht weiß.

Kann es z.B. nicht sein, dass die Zukunft des Virus viel verheerender sein wird, als wir es bisher vermuten, so dass der Imam vorsorglich warnt? Kann es nicht sein, dass mit den Maßnahmen, die weltweit ergriffen werden, gleichzeitig Dinge vorbereitet werden, die zur Erlösung der Menschheit führen könnten? Die Situation um die Kaaba herum ist allein bezeichnend. Solche und viele andere Fragen genügen, um die Überlegenheit der Entscheidung des Imams zu verstehen.

Meines Erachtens ist diese Art der Herangehensweise nicht nur relevant für unbedeutende Personen wie meine Wenigkeit, sondern auch für große Gelehrte. Würden die großen Gelehrten unserer Zeit ihre jeweilige Expertise der Heiligkeit unserer Zeit zur Verfügung stellen und gleichzeitig ihre eigene Ansicht zurückstellen, so lange der Imam eine andere Ansicht vertritt, so könnte die islamische Umma eine ganz andere Stärke entwickeln, als sie dies ohnehin tut. Bis heute ist dieses Eingliedern in das Imamat-Prinzip eines der großen Schwächen von viel zu vielen Muslimen angefangen von der Anwendung des Prinzips in der Familie über die Gemeinde bis hin zum Imam der Umma. Dennoch ersehne ich die Rückkehr des Erlösers und die Flaggenübergabe durch die Heiligkeit unserer Zeit, nicht weil wir es verdient hätten, sondern aufgrund der unermesslichen Liebe des Schöpfers für seine Geschöpfe. So könnte auch das bevorstehende außergewöhnliche Weihnachtsfest mit einigen Überraschungen für die Christenheit verbunden sein, denn eine wirkliche Rückkehr Jesu erwarten die Wenigsten von ihnen in Europa. Möge er bald erscheinen!

Die Befolgung der Heiligkeit der Zeit ist nicht nur für Muslime angebracht. Auch europäische Nichtmuslime hätten davon profitieren können, wenn sie auf Imam Chamenei gehört hätten. Die Franzosen hätten viel Unheil im eigenen Land vermeiden können, wenn sie den Brief, der an sie gerichtet war [2], ernst genommen hätten. Auch die Österreicher und andere hätten von sehr viel Leid und Terror verschont werden können, wenn sie nicht selbst jene Terroristen herangezüchtet hätten, mit denen sie ihre imperialistischen Ziele in Syrien, Tschetschenien und anderen Orten umsetzen wollten. Sie hätten viel Leid im eigenen Land vermieden, wenn sie nicht so viel Leid über andere Völker gebracht oder die größten Verbrecher unserer Zeit so vorbehaltlos immer wieder unterstützt hätten. Die gleichen Regierungen, die bis heute den Terror unterstützen, welchen Israel seit acht Jahrzehnten über Palästina verbreitet, beklagen sich, wenn der Terror wie ein Bumerang auf sie zurückfällt. Imam Chamenei hatte sie mehrfach gewarnt, aber sie haben ihn nicht ernst genommen. Jeder sollte den vor nunmehr sechs (!) Jahren an die Franzosen gerichteten Brief [2] lesen, um zu erkennen, wie die Machthaber der Westlichen Welt mit ihren eigenen Terroristen ihrem eigenen Volk Schaden zugefügt haben. Es sind heute in Syrien die von den Franzosen und anderen westlichen Staaten unterstützten Kopfabschneider, die den terroristischen Kopfabschneidern in Frankreich zugejubelt haben. Und es sind die vom Westen mit allen Mitteln bekämpften Anhänger Assads und der Hizbullah, die glaubhaft Mitgefühl für die betroffenen Opfer und ihre Angehörigen zeigen.

Fazit: Was bedeutet diese Analyse für unser Verhalten in unserer Heimat Deutschland?

Grundsätzlich gilt – wie es Imam Chamenei immer wieder betont hat – dass wir die Gesetze des Landes, in dem wir leben, in diesem Fall unsere Heimat Deutschland, einzuhalten haben. Bei in sich nicht schlüssigen und tagtäglich ändernden Verordnungen im Rahmen von Corona müssen wir Muslime allerdings nicht päpstlicher sein als der Papst und Vorreiter des Lockdowns spielen. Aber wir müssen im Rahmen des Möglichen und Erlaubten abwägen, was sinnvoll ist, was von Gemeinde zu Gemeinde und Woche zu Woche unterschiedlich sein kann. Die aktuelle Weltlage macht es notwendiger denn je, dass wir uns im Rahmen der Gemeinde, aber auch mit Nachbarn und Freunden austauschen. Wenn dies durch Präsenzveranstaltungen nicht möglich ist, dann müssen wir umso mehr die alternativen Möglichkeiten versuchen zu nutzen.

Wer in dieser immer mehr ins Chaos abdriftenden Welt dem Mitmenschen dienlich sein und Nächstenliebe praktizieren will, muss zunächst das eigene Ich überwinden. Es gibt keine bessere Methode dafür, als sich der Heiligkeit unserer Zeit anzuschließen.

[1] https://swprs.org/fakten-zu-covid-19/
[2] http://www.eslam.de/manuskripte/briefe/i...d_im_westen.htm


Yavuz Özoguz
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