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Religion & Politik im Islam

Ungesühnte Morde

 von Dr.Josef Haas , 01.07.2020 15:24

Ungesühnte Morde

Bekanntlich ist derzeit eine Diskussion über angeblichen oder tatsächlichen Rassismus im
Gange, die mittlerweile weltweite Ausmaße angenommen hat.
Selbstverständlich- und wie könnte es auch anders sein!- laufen Teile der bundesdeutschen
Bevölkerung dabei in Sachen Selbstanklage vorneweg.
Andere Länder, welche in dem Zusammenhang tatsächlich anzuklagen wären, also vor allem
Großbritannien, Frankreich oder Belgien, halten sich da hingegen vornehm zurück, überlassen
den politischen Sado-Masochismus also wieder einmal den Deutschen, für die sowieso der alte
Kalauer auf Dauer reserviert zu sein scheint: "Über Spanien lacht die Sonne, und über Deutschland
die ganze Welt!"
Am sechzigsten Jahrestag der Unabhängigkeit der früheren belgischen Kolonie Kongo, ist es aber
nahe liegend, sich einmal etwas näher mit der Brüsseler Herrschaft in diesem afrikanischen Land
zu befassen, zumal man sie nur als verbrecherisch zu bezeichnen vermag.

Königlicher Privatbesitz

Ein Detail fällt einem bei deren Betrachtung sofort auf: Der Kongo befand sich seit 1885 doch
tatsächlich im Privatbesitz des belgischen Königs Leopold II. (1835-1909)!
Eine sogenannte "Afrika-Konferenz", durchgeführt in Berlin, hatte diesen Widersinn zustande gebracht.
Damit begannen Unglück und Leid über dieses schon damals sehr rohstoffreiche Territorium zu kommen,
welches der englische Forscher Henry Morton Stanley im Auftrage Leopolds 1879 für Schnaps und Glas-
perlen den einheimischen Potentaten "abgekauft" hatte.
Mit unvorstellbarer Grausamkeit beutete Leopold II. in der Folgezeit den ihm geschenkten Kongo aus.
Zunächst hatte er es dort auf das Elfenbein abgesehen gehabt, bevor die Erfindung des Reifens durch
John Dunlop 1888 den dort ebenfalls vorkommenden Kautschuk zum willkommenen Objekt der könig-
lichen Ausbeutung werden ließ.
Leopolds Schergen gingen bei deren Durchführung mit furchtbarer Brutalität vor.
Kinder wurden mit Nilpferdpeitschen traktiert, weil sie es an Ehrerbietung gegenüber Weißen hatten
fehlen lassen. Dörfer wurden verpflichtet, eine bestimmte Menge Kautschuk zu liefern; wurde sie
nicht eingehalten, erlitten deren Bewohner das Schicksal der Verschleppung- die dort wohnenden Frauen
wurden vergewaltigt, anderen die Hände abgehackt.
Erst Anfang des 20.Jahrhunderts machten einige mutige Männer die damalige Weltöffentlichkeit auf diese
permanenten Gräuel aufmerksam- deren Druck erreichte es dann immerhin, dass Leopold II. 1908, ein Jahr
vor seinem Tod, den Kongo aus seinem Privatbesitz an den Staat Belgien übereignen musste.
Eine drei Jahre später stattgefundene Volkszählung ergab, dass der dreiundzwanzigjährigen Privatherrschaft
dieses Monarchen fünfundzwanzig Millionen Einheimische zum Opfer gefallen waren.
25 Millionen! Eine unvorstellbare Zahl, über die aber hierzulande eben so wenig gesprochen wird wie über die
Millionen Toten im Persien der Jahre 1914 bis 1918, die seinerzeit dort der britischen Okkupation, welche sich
des Hungers als Machtinstrument bediente, zum Opfer fielen.
Die Zahl der in den englischen Kolonien umgebrachten Einheimischen ist ebenfalls unübersehbar.
Das Massaker im indischen Amritsar vom 13.April 1919 nur ein winziges Detail britischer Verbrechen.
Solcher bezichtigen sich aber aktuell nur die Deutschen und lassen infolgedessen Namibia, also der früheren Kolonie
Deutsch-Südwestafrika, nach einer theatralischen Entschuldigung für seinerzeitiges Unrecht Wiedergutmachung in
klingender Münze zukommen.
Die ehemaligen Kolonialmächte denken an ein derartiges Verhalten natürlich einmal im Traum und die westdeutschen
Medien klagen sie dafür selbstverständlich in keiner Weise an.
Die Erwähnung der 25 Millionen durch Belgier ermordeten Kongolesen wird jetzt natürlich in Israel und internationalen
jüdischen Kreisen sofort den Vorwurf auslösen, damit werde der Holocaust relativiert.
Denn selbstredend darf im Völkermordzusammenhang allein der Juden-Mord vorkommen bzw. dort mit Abstand den
ersten Platz einnehmen.
Alle anderen Scheußlichkeiten haben demgegenüber zu verblassen oder werden gar nicht (mehr) erwähnt.
Statt a l l e r unschuldigen Opfer zu gedenken, findet für viele von ihnen, gerade in der Bundesrepublik Deutschland,
eine grauenhafte Selektion statt.
Konkret wird dann da zwischen den r i c h t i g e n , also verehrungswürdigen, Toten, und denen, die man verschweigt
oder sogar noch nach ihrem Ableben beschimpft und verleumdet, unterschieden.
Überflüssig zu sagen, dass man sie damit ein zweites Mal ermordet.
Ihre moralischen Mörder richten sich allerdings letztlich damit selbst und werden dereinst für ihr verabscheuungswürdiges
Tun, zumindest im Jenseits, einmal die ihnen gebührende Strafe erhalten.
Dies jedenfalls ist und bleibt ebenso Feststellung wie auch Trost!

Dr.Josef Haas
Beiträge: 656
Registriert am: 29.07.2014

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Betreff Absender Datum
Ungesühnte Morde Dr.Josef Haas 01.07.2020
 

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