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Religion & Politik im Islam

Endzeitspiele

 von Dörte Donker , 16.04.2020 14:12

Es folgt ein längerer Text, den ich Endzeitspiele genannt habe, von dem ich
jeden Tag ein weiteres Kapitel veröffentlichen werde, Insch Allah

Endzeitspiele

Einleitung
Der Mensch strebt nach Erlösung, dass ist seinem dualen Charakter in dieser Welt geschuldet und der aus ihr resultierenden „Unvollkommenheit“. Es gibt keine Religion und sei sie noch so „primitiv“, die kein Bild von der Endzeit und Welterneuerung entworfen hat. Die Motive sind immer gleich: Gut kämpft gegen Böse. Wir alle sind in diese Vorstellungen von der Endzeit hineingeboren, sie bestimmt unser Dasein mit, was aber den wenigsten bewusst ist. Es gibt heute einige Fundamente dieser Endzeitentwürfe, die vor allem von zwei Religionen geprägt wird, dem Juden- und Christentum. In dieser Matrix hat sich die Eschatologie bis heute entwickelt und wird durch geschichtliche Ereignisse und Auslegungsströmungen immer neu interpretiert. Auf die prägenden Phänomene dieser „apokalyptischen Matrix“ 1, die heute zu einer Art gesteuerten Endzeitspiel mutieren, werde ich in meinem Text eingehen. Eines der wichtigsten Ereignisse, die die Matrix heute bestimmen ist der Holocaust und die Gründung Israels. Hinzu kommt die Erfüllung durch Kriege und Seuchen, sogar die Szenarien eines Atomkrieges. 2

.Die atheistische Ersatzreligion

Wir leben in einer Zeit, in der der westeuropäische Mensch anscheinend keine Religion mehr nötig hat. So zumindest ist sein Selbstverständnis. Auch die meisten Deutschen verstehen sich heute als Atheisten. Religion habe in der Politik angeblich nichts zu suchen, so der Agenda eines säkularen Staates, wie die der BRD. Tatsächlich aber scheint der Mensch nicht ohne das Transzendente und ohne etwas, was sich über das Profane erhöht, auskommen zu können und kein Staat ohne einen Mythos und Ritus.
Könnte der Holocaust zu einer Ersatzreligion geworden sein, da er mittlerweile alles hat, was eine Religion braucht: ein Glaubensbekenntnis, Priester (Zionisten), Erhöhung des Opfers (6 Millionen und seine Singularität), Märtyrer, Strafe bei sogenannter Leugnung, wie zur Zeit der Inquisition, Riten und Kultstätten, ein religiöses Zentrum (Yad vashem) und „Erlösung“ durch das Gebilde Israel usw. usf. ?
Ex Bundespräsident Gauck hat es einst treffend erfasst, indem er den Holocaust als Ersatzreligion entlarvte, die sich jeder nüchternen Betrachtung entzieht und überhöht wird. Ist das die Religion des modernen Atheismus, in der nicht Gott angebetet wird, sondern seine Negierung, das Böse, das uns zum Erschauern bringt?
„„Unübersehbar gibt es eine Tendenz der Entweltlichung des Holocausts. Das geschieht dann, wenn das Geschehen des deutschen Judenmordes in eine Einzigartigkeit überhöht wird, die letztlich dem Verstehen und der Analyse entzogen ist. Offensichtlich suchen bestimmte Milieus postreligiöser Gesellschaften nach der Dimension der Absolutheit, nach dem Element des Erschauerns vor dem Unsagbaren. Da dem Nichtreligiösen das Summum Bonum – Gott – fehlt, tritt an dessen Stelle das absolute Böse, das den Betrachter erschauern lässt.“ 3

Um dem Ganzen seine Bedeutung für die Legitimation Israels zu geben, wird der Holocaust als „singuläres Ereignis“ und mit sich ewig wiederholenden Ritualen, Opfer-und Schuldbekenntnissen bis heute überhöht. Es ist eigentlich nicht negativ, wenn man sich an bestimmte Ereignisse erinnert und Gedenktage hat und auch Opfer von Gewaltherrschaft und Rassismus gedenkt, aber ist die diese Art der Überhöhung durch den Singularitätsanspruch zu rechtfertigen? Es ist nicht schwer zu postulieren, dass es Völker gibt, die ähnlich oder mehr gelitten haben, als die Juden, wie zum Beispiel die Iraner, die an die 12 Millionen Menschen durch einen Genozid der Briten verloren. 4 Völkermorde ziehen sich durch die Geschichte der Menschheit, so lange es diese gibt; so bedauerlich katastrophal und unnötig solche Ereignisse auch sein mögen. Solche Machenschaften offenbaren das Schlimmste im Menschen. Und es gibt unzählige Völker hier im Westen und auch in den USA, die sich für ihre begangenen Greuel und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Kolonialismus und Sklaverei noch niemals entschuldigt haben.
Auch hat sich noch niemand bei dem irakischen Volk entschuldigt, dass man gegen sie sogar atomare Munition eingesetzt hat.
Keine andere Gemeinschaft oder Volk hat seine Opfer jemals zu einem solchen Kultstatus erheben können, was ihnen ein Freifahrscheint für ihr rechtswidriges Handeln gegen die Palästinenser gleich mitlieferte und kein anderes Volk hat sich so sehr in die Täterrolle gefügt, wie die Deutschen, denen diese sogar als Erbschuld aufgezwungen wird. Es gibt aber auch kaum andere Völker, wie die Deutschen und das zionistische Kollektiv, die sich so enorm brutal herablassend über ihre eigenen Opfer äußern.

So gibt es durchaus gläubige Juden, die die Überhöhung und Instrumentalisierung des Holocaust ähnlichsehen:
„Erst mal benennen wir den Holocaust nicht mit zionistischen Begriffen, die dazu erfunden wurden, die Besetzung des Landes zu rechtfertigen und einen Staat auszurufen. Unsere Sicht auf die Dinge ist einfach: Im Verlauf unseres 2000-jährigen Exils haben wir viel Leid und Tod ertragen. Trotzdem erfreuten wir uns im Allgemeinen der Gastfreundschaft unserer Gastgeber, für die wir dankbar sind. Als religiöse Juden erkennen wir die Gebote des Allmächtigen in jeder Situation an…. Erstens – sie sollen sich nicht selbst aus dem Exil zu einem eigenen Staat aufmachen vor der Ankunft des Messias. Und zweitens: Sie sollen sich nicht gegen die Völker der Welt erheben.“ 5

Der Holocaust hat Auswirkungen auf das Gottesbild: Während der Holocaust für manche Juden den Tod Gottes symbolisierte, wird er für andere zu einem neuen biblischen Kapitel oder zu Erfüllung düsterer Prophezeiungen, die man dadurch anscheinend ablegen will. Noch schlimmer, für einige jüdische Interpreten ist er zur konkreten kollektiven Strafe Gottes für ihr ungehorsames „Volk“ geworden, das sich in Europa assimilierte und seine Gebote vernachlässigte. Man muss nicht tief ins Alte Testament vordringen, um Kapitel und Verse zu finden, die dieses Denken widerspiegeln. Denn wenn das jüdische Kollektiv von Übeln überfallen wird, so steht dort in mehreren Stellen geschrieben, ist ihr Abfall von Gott der Grund; so das alttestamentarische jüdische Verständnis. Und das neutestamentarische eschatologische Verständnis des Judentums kann nicht leugnen, dass Juden sterben sollen, wenn sie den wiederkehrenden Jesus Christus nicht als Erlöser anerkennen.
Für die einige Rabbiner bestand die Sünde ihres Volkes darin, den Lehren des Zionismus oder aber auch des Sozialismus gefrönt zu haben, für die anderen bestand sie darin, sich nicht genug für den Zionismus und Israel eingesetzt zu haben. So betont Micha Brumlik: „Die Satmarer Chassidim sind gegründet worden schon vor dem Holocaust – von Rabbi Yoel Teitelbaum, der die geschichtsphilosophische These vertreten hat, dass der Holocaust, also die Ermordung von sechs Millionen europäischen Juden Gottes Strafe für Zionismus und Assimilation gewesen sei.“ 5 Für andere ist er sogar eine „göttliche Chirurgie“, die zur einer „Vernichtung einer verfaulten Kultur (jener der Assimilierten) geführt habe im Dienst der nationalen Wiedergeburt“.6

Eine weitere wichtige theologische Theorie vertritt u.a. der Rabbiner Ignaz Maybaum. Er beruft sich auf das Buch Jesaja 7 und sieht im Massenmord der Juden die verheißende Opferung des jüdischen Volkes als Kollektiv; der Gottesknecht, welches sich ohne zu murren für sein Volk opfert und es so von seinen Sünden reinwäscht. „Das jüdische Volk ist tatsächlich der „leidende Knecht“ des Jesaja geworden, es leidet für die Sünden der Welt, so schreibt Maybaum, „…in Auschwitz litten die Juden stellvertretend für die Sünden der Menschheit.“ 9

Diese Auslegung wird noch wichtig, denn diese führt direkt zur religiösen Legitimation des Staates Israel.
Nur haben Christen den Anspruch in Jesus Christus diesen Messias, den Gottesknecht, der durch seinen Tod die Sünden auf sich nahm, gefunden zu haben, denn auch sie berufen sich auf Jesaja. Mehr denn je zeigt sich ein tiefer Konflikt zwischen jüdischen und christlichen Verständnis, der die Weltpolitik prägt.

Quellen
1 http://www.trimondi.de/H.Krieg/Matrix.htm1
2 https://de.wikipedia.org/wiki/Sieben_Plagen_der_Endzeit
https://deutsch.ucg.org/studienhilfen/br...e-pferd-seuchen
3 https://blog.zeit.de/stoerungsmelder/201...ser-gauck_80872 https://blog.zeit.de/stoerungsmelder/201...oser-gauck_8087
4 https://www.gegenfrage.com/irans-grosse-...-von-1917-1919/
https://parseundparse.wordpress.com/2012...sche-genozid-1/
https://de.wikipedia.org/wiki/Völkermord5 https://www.deutschlandfunkkultur.de/ult...ticle_id=417316
5 https://www.deutschlandfunkkultur.de/ult...ticle_id=417316
6 "Erst Manhattan, dann Berlin" von Wolfgang Eggerts Seite19
https://de.wikipedia.org/wiki/Jesaja
8/9 https://de.wikipedia.org/wiki/Holocaust-Theologie


Dörte Donker
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