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Religion & Politik im Islam

RE: Vom Wert des Verbietens

 von Daros Darokakis , 22.06.2012 08:25

Hallo Herr Yavuz,

soweit ich weis habe ich hier noch nie jemanden beschimpft, weder einen Staat oder eine Gesellschaftsform oder eine Religion.
Auch nicht diese mit irgendwelchen abwertenden Kriterien beschrieben.
Auch habe ich nie etwas gegen den Islam geschrieben, als Religion, noch habe ich etwas dagegen.
Ganz im Gegenteil, vor einigen Wochen hat mein Sohn mit der Schule eine Moschee besucht und hat ziemlich fasziniert darüber berichtet.
Er wollte noch einmal hin, der Imam hatte eingeladen, und ich habe ihn sogar ermuntert.
Das bedeutet nicht dass ich die islamische Gesellschaft, genau wie andere auch, kritisch betrachte, aber ich habe bestimmt nichts gegen den Islam. (sofern Sie den Islam als Religion unabhängig von Politik betrachten können)

Warum ich hier mitspiele ?
Es interessiert mich, ganz einfach.
Außerdem lerne ich viele andere Sichtweisen kennen (die ich nicht immer unterstützen muss), Links und Meinungen die sonst nicht so öffentlich sind.
Aber ich bin vielleicht Ihre „andere“ perspektive in diesem Forum (wahrscheinlich die Einzige) und das bestimmt nicht weil es mir Egal ist.
Sehen Sie mich als Chance oder Herausforderung oder… was auch immer.
Ich wies es zu schätzen das Sie der Versuchung wiederstehen eine kritische Stimme einfach weg zu sperren.
Andere Foren bleiben gerne unter sich.

Zum eigentlichen Thema.

„Was bedeutet "zu viel Freiheit"?
Wir sind uns wohl einig das „Anarchie“ keine erstrebenswerte Gesellschaftsform ist, genauso wenig wie eine strenge Diktatur die jeden Schritt vorschreibt und alles verboten ist was nicht explizit erlaubt wird (ein Gefängnis)
Irgendwo dazwischen bewegen wir uns ….ich denke das steht nicht zur Debatte.

Sie schreiben :
„. Und in sämtlichen Gesellschaften der Welt gilt hier: "Zu viel Freiheit wäre immer ein Problem und zu wenig Freiheit notwendig!"!

Sehen Sie ich glaube nicht das es so ist …wie soll „zu wenig Freiheit“ eine Lösung sein ?
Außerdem gemessen an was ?
Im Vergleich zu Saudi Arabien herrscht im Iran sehr viel Freiheit.
Im Vergleich zu Europa, sehr wenig.

Physische Gewalt, Beleidigung, bzw. eine Straftat (Raub) ist natürlich besser einzugrenzen und …wird überall verfolgt.
Kunst lässt sich nicht fest definieren, weil es abhängig von der jeweiligen Gesellschaft ist.
Wann aus Meinungsfreiheit, Beleidigung wird ...?
Grundsätzlich denke ich aber, das die Freiheit der eigenen Meinung, Glauben und Vorstellungen einen sehr hohen Stellenwert hat/haben sollte.
Weil der Umkehrschluss bedeuten würde, das ich mich den Vorstellungen einer anderen Person/Gruppe unterordnen muss, was im Endeffekt zu Diktatur führt.
Und ich gebe Ihnen Recht das es in Deutschland, in Bezug auf die Juden und die deutsche Vergangenheit, mit der Gesetzgebung & der andauernden „öffentlichen Empörung“ falsch läuft.
Aber wenn wir ehrlich sind, Außer der Politik und den Zentralrat der Juden kümmert es kaum noch jemanden …mit abnehmender Tendenz.

ZITAT :
„ Freiheit ist kein absoluter Wert, der über allen anderen Werten steht! Es gibt keine wahre Freiheit ohne Gerechtigkeit. Es gibt keine wahre Freiheit ohne Frieden. Und alle drei Werte hängen zusammen. Wenn Freiheit dafür missbraucht wird, Ungerechtigkeit und Unfrieden zu verbreiten, dann muss jener Missbrauch unterbunden werden. „

Nun ..natürlich gibt es keinen absoluten Wert …den gibt es nirgendwo.
Freiheit, wie Gerechtigkeit, Sicherheit & Wohlstand sind immer relativ im Vergleich zu anderen und abhängig davon was jede Gesellschaft als Gerecht Empfindet.
Aber die Möglichkeit/Freiheit diese „Einschränkung“ in Frage zu stellen, diese zu Kritisieren und zu verändern, die muss gewahrt bleiben.
Wollen Sie das Ihnen eine Regierung vorschreibt welche Musik Sie hören dürfen?
Was Sie lesen und sehen Dürfen?
Ob und wie Sie feiern dürfen ?
Wie weit darf eine Einschränkung gehen um den potentiellen „Missbrauch“ zu unterbinden?
Und wer entscheidet das ?
Und wie können Sie diese Entscheidungen Kritisieren oder dem etwas entgegen zu setzen, wenn es nicht Erlaubt ist andere Ideen & Werte zu publizieren bzw. die offiziellen in Frage zu stellen.
Das Problem ist nicht die Frage ob es Missbrauch gibt, den gibt es mit Sicherheit und jeden Tag.
Das Problem ist, wo ziehen Sie die Linie & wem geben Sie die Macht und Kontrolle über diese „weichen“ Gesellschaftlichen Werte zu bestimmen.

ZITAT:
„Die Befreiungstheologie des wahren Islam setzt beim Menschen an. Er erzieht den Menschen zu inneren Freiheit, um dann im Kollektiv die gesellschaftliche Freiheit zu erlangen.“
In Ihren Ansichten setzen Sie den wahren Islam, bzw. seine Umsetzung sehr oft mit dem Iran gleich.
Einen Staat (einer von ca. 200) mit Politikern (einige von vielen 1000).

Das ist der Knackpunkt unserer Meinungsunterschiede.
Der Großteil der Menschen will sich gar nicht von irgendeinem Politiker erziehen lassen.
Und darum muss mein Glauben, unabhängig von Politik sein.
Die Politik darf mir gar nicht vorschreiben was ich für eine Musik, einen Film, ein Buch lesen oder singen / Schreiben darf.
Wenn Sie verlangen, was ich genau so sehe, das der Umgang mit der deutschen Vergangenheit (Holocaust) frei diskutiert werden darf.
Dann können Sie nicht gleichzeitig andere Ansichten verbieten.
Natürlich werden die Grenzen von der jeweiligen Gesellschaft gelegt in der man Lebt.
Und ich erwarte nicht die selben Freiheiten (evtl. andere oder weniger / mehr) im Iran oder wo anders.
Aber unsere Gesellschaft gibt uns die Freiheit, fast uneingeschränkt, unserer Ansichten in Wort & Bild zu verbreiten.
Dafür sollten sie die Gesellschaft nicht angreifen, was Sie andauernd tun.
Sie sollten es positiv aufnehmen, weil andere Gesellschaften Ihnen diese Möglichkeit nicht bieten würden.
Sie leben hier und haben Ihren Weg gefunden.
In unserer Gesellschaft, mit den Möglichkeiten die diese bietet.
Viele andere auch. …und das ist gut so !

Mit vielen einzelnen Passagen in Ihrem Text stimme ich zu.
Bildzeitung, Fernsehen etc.
Aber die Schlussfolgerung kann nicht sein jemanden ( Politik ) die Macht zu geben das von Oben zu verbieten.
Es kann nicht sein Kunst, Informationsfluss und Lebenswandel übermäßig einzuschränken weil dieser evtl. nicht irgendwelchen Normen (Moralisch oder Religiösen) entspricht.
Im Zweifelsfall stelle ich die Freiheit sich Auszudrücken höher an, als die Empfindlichkeiten einzelner Gruppen.
Inkl. Möglichen negativen Auswirkungen, die Positiven Ergebnisse sind stärker.

Ich will nicht auf Michelangelo verzichten weil es auch einen Alice Cooper gibt.

Danke bis hier hin

Gruß
Daros


Daros Darokakis

Themen Überblick

Betreff Absender Datum
Vom Wert des Verbietens Fatima Özoguz 19.06.2012 15:20
RE: Vom Wert des Verbietens Daros Darokakis 19.06.2012 20:23
RE: Vom Wert des Verbietens Yavuz Özoguz 19.06.2012 21:43
RE: Vom Wert des Verbietens Albert von Bieren 20.06.2012 09:56
RE: Vom Wert des Verbietens Daros Darokakis 22.06.2012 08:25
 

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