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Religion & Politik im Islam

Warum meiner Frau der Burkini-Kragen platzen soll!

 von Yavuz Özoguz , 29.08.2016 12:02

Warum meiner Frau der Burkini-Kragen platzen soll!

Es reicht! Wie lange sollen die ehrwürdigen Muslimas sich noch diese hetzerische Diskriminierung gefallen lassen? Es wird Zeit der Gesellschaft die Augen zu öffnen.

Gleich zwei Kleidungsstücke wurden an die ersten Stellen der Abschussliste westlicher Hetze platziert. Die Burka und der Burkini, sozusagen die kleine Burka. Die Burka ist eine Art Vollköperverschleierung, die es eigentlich nur in Afghanistan und einigen Regionen Pakistans gibt. Ähnliche Verschleierungen, bei denen lediglich die Augenpartie frei ist, gibt es auch in einigen arabischen Ländern und Indonesien. Der Burkini ist die westliche Bezeichnung für die Vollkörperbadeanzüge, die muslimische Frauen tragen, um sich integriert in Schwimmbäder zu begeben und am Strand mitzuschwimmen. Die Burka (bzw. Nikab) gibt es kaum in Deutschland, den Burkini dagegen schon eher, so lange er nicht verboten wird.

Jetzt hat sich das Abendland zusammengeschlossen zum Schutz der freiheitlichen-westlichen Werte und zur Verhinderung des Untergangs des Abendlandes die beiden Kleidungsstücke zu verbieten. Nur wenn sich die Muslima auszieht, darf sie mitschwimmen! Wenn eine Gesellschaft sich grundlegend zum Krieg gegen den Islam und die Muslime entscheidet, dann sollte sie den Mut und die Aufrichtigkeit haben, dieses auch so zu benennen und nicht absurde und geradezu lächerliche Argumente vorschieben.

Da ist z.B. das Argument der Befreiung der Frau. Die Frau sei von ihrem Mann gezwungen worden, den Burkini zu tragen, es sei ein Symbol der Unterdrückung der Frau und daher müsse sie zwangbefreit werden. Was ist das für eine Anmaßung westlicher Arroganz, die allen muslimischen Frauen mit Kopftuch vorwirft, sie würden sich von ihren (oder anderen) Männern unterdrücken lassen? Sind es nicht vielmehr die ausgezogenen, die geschminkten, die zur Nacktheit genötigten Frauen, die sich unterdrücken lassen? Wirbt nicht eine deutsche Firma mit der „Bikinifigur“ kurz vor der Tagesschau, während sie einen viel zu dicken Hund zeigt und Männer, die sich die Augen ausgucken nach der moppeligen „Bikinifigur“? Ist das die Befreiung der Frau? Und warum sind jene Frauenbefreier so drastisch aktiv bei einem Kleidungsstück aber völlig inaktiv bei Pornographie? Ist Pornographie keine Unterdrückung der Frau? Ist Prostitution keine Unterdrückung der Frau? Sich ausziehen und jede Faser des eigenen Körpers verkaufen darf die Frau im Namen der Freiheit und des Westens, aber wenn sie sich etwas mehr anzieht, als es die westliche Norm zulässt, gibt es gleich einen Medienkrieg sondergleichen!

Ein weiteres Argument ist die angebliche Hygiene! Das ist wirklich so absurd, wie ein Argument nur absurd sein kann. Diejenigen, die nach jedem Urinieren und Stuhlgang lediglich ein trockenes Tuch benutzen, um die Unreinheit gleichmäßig auf dem Körper zu verteilen, wollen den Muslimas Hygiene erklären, wobei eine überzeugte Muslime ihre Unratsaustrittstellen jedes Mal mit Wasser duscht, notfalls auch mit einer mitgebrachten Gießkanne oder Plastikflasche. Diejenigen, die ihre Achselhaare und Schamhaare um die Wette wachsen lassen, wollen den Muslimas, die keine Körperbehaarung zulassen, erklären, was Hygiene ist. Und diejenigen, die zum Schutz ihrer Körper vor Sonne den ganzen Körper mit diversen Ölen einschmieren müssen, die für jede Wasserreinigungsanlage eine echte Herausforderung darstellen, wollen denjenigen, die keine Öle verwenden brauchen, erklären, was Hygiene ist.

Den Höhepunkt der Argumentation bildet die Behauptung, dass andere Badegäste „irritiert“ sein könnten, weil im Augenblick Angst vor dem Islam herrsche. Die gleichen, die diese Angst in die Köpfe abendländischer Freiheitlicher eingetrichtert haben, verwenden jetzt diese Angst als Argument zur Zwangsentkleidung der Muslima. Ein Kommentator hat dieses Verhalten „Tyrannei der Intimität“ genannt [1]. Alle möglichen Kronzeugen, die einstmals das Kopftuch getragen haben und jetzt „frei“ herumlaufen, bekommen eine Bühne zur Berühmtheit. Die hundertmal so vielen Frauen, die einstmals „freizügig“ herumgelaufen sind und sich aus freien Stücken dazu entschlossen haben, den Männern die Freiheit zu nehmen, sich an ihren Körpern zu erfreuen, werden ignoriert.

Ich könnte mich wirklich aufregen über diese unvorstellbare mediale Kampffront gegen den Islam und die Muslime. Die unheilige Allianz von Journalisten und Politikern produziert eine unvorstellbar hetzerische Propaganda, in der sie der eigenen Bevölkerung stakkato-artig klar zu machen versucht, dass man die Freiheit einschränken muss, um die Freiheit zu verteidigen, dass man Unterdrückung muss, um Unterdrückung zu vermeiden. Und unglücklicherweise gibt es viel zu viele Menschen, die das auch noch glauben.

Würde meine Frau eine Burka tragen (sie besitzt kein solches Kleidungsstück!), dann würde ihr der Burka-Kragen platzen und mir dazu. Und der Burkini, den sie besitzt, ist wohl schon explodiert vor Zorn gegenüber so viel heuchlerische Feindschaft. Wenn Heuchelei zur Norm wird, hilft nur Wahrhaftigkeit [2]. Insofern stellt sich die Frage, ob nicht genau dieser Krieg der Kulturen und Zivilisationen das Ziel ist, in dessen Falle ich zu tappen drohe. Ist es nicht berechenbar, dass Muslime angesichts dieser massiven Feindschaft irgendwann die Nase voll haben? Soll nicht genau das bewirkt werden?

Daher könnte man auch mit einem etwas kühleren Kopf an die Angelegenheit herangehen und der Gesellschaft versuchen die Augen zu öffnen. Ist die Burka wirklich ein Sicherheitsrisiko? Wenn es darum geht, ein Vermummungsverbot in bestimmten sensiblen Bereichen auszusprechen, warum wird das dann nicht genau so getan? Ein Vermummungsverbot gibt es bereits bei Demonstrationen. Hat man jemals eine Burka tragende Frau bei einer Demo in Deutschland gesehen? Hat jemals ein Muslim dagegen protestiert, dass man keine Burka auf Demos tragen darf? Ganz sicher nicht! Denn das Vermummungsverbot betrifft nicht nur Muslime. Es betrifft eine Situation, die für alle gleichermaßen gilt. Auch ein Motorradhelmträger ist betroffen, wie auch ein Hutträger mit Sonnenbrille und Schal um den Mund. Das wäre kein symbolischer Krieg gegen den Islam und die Muslime, der gefühlt immer intensiver ausgefochten wird.

Auch könnte man über die ästhetischen Anblicke in einem Schwimmbad durchaus diskutieren. Will man wirklich alles verbieten, was einem nicht gefällt? Sollen dann auch die Tätowierten mit Tatoos, die an Geschmacklosigkeit kaum zu überbieten sind, diese bedecken (ACHTUNG Burkini-Gefahr!). Oder sollen alle Frauen, die Hot-Pants als Modeschau für Zellulitis verstehen, darauf hingewiesen werden, dass eine Badeanstalt keine Fleischausstellungsanstalt ist? Mann könnte ja auch – ganz im Sinne einiger Feministinnen – eigene Frauenbadestunden mit Frauen als Bademeisterin ausloben. Wo ein ernsthafter Wille zum Miteinander besteht, da gibt es auch einen Weg.

Der so genannte Burkini ist aus der Not der Muslima entstanden, sich in eine nackte Gesellschaft integrieren zu wollen, auch beim Baden. Aber sämtliches Entgegenkommen der Muslima wurde nie gewürdigt. Zieht sich aber eine Muslima aus und vermarktet ihren Körper bei Porno-Filmen, wird sie mit Preisen geradezu überhäuft [3] und gilt fortan als integriert. Die so genannte freiheitliche Gesellschaft stellt die „integrierte“ Pornodarstellerin der ihren Körper und ihre Seele nicht vermarktenden Muslima entgegen. Das ist aus Sicht des Kapitalismus nur konsequent. Damit sind wir beim Kern des Konfliktes. Es geht weder um irgendein Kleidungsstück, noch um die Freiheit von Menschen. Es geht darum, dass sich im Kapitalismus jeder und alles dem Markt zu unterwerfen hat. Nur so können eine Handvoll Superreicher ihre Machtfülle gegen den Rest der Menschheit aufrechterhalten. Man vergesse nie, dass jeden Tag 30.000 Menschen an Hunger sterben! Jede Faser des nicht verhungernden Menschen muss sich dem Markt ergeben. Jeder muss sich und seine Seele verkaufen. Die Frau muss ihren Körper öffentlich zur Schau stellen und den vom Markt vorgegebenen Schönheitsidealen hinterher eifern. Der Mann muss seinen Körper mit schwarzer Farbe abstechen lassen, und jeder muss seinen Narzissmus bewundern, selbst wenn es noch so hässlich aussieht. Exhibitionismus ist keine Straftat mehr, sondern eine Notwendigkeit des Marktes. Jeder Mann muss die Freiheit haben, sich am Anblick jedes Frauenkörpers erfreuen zu können. Die Ausbeutung der Körper findet dabei nicht einmal mehr im Geheimen statt. Ganz offen werden z.B. vom deutschen Vorreiter des Raubtierkapitalismus, der Springer-Presse „die erotischsten Sportarten der Olympischen Spiele“ beworben [4].

Die Kleidung einer Nonne hingegen ist eine Katastrophe für den Kapitalismus. So lange ihre Zahl immer weiter abnimmt, kann der Kapitalismus sie dulden. Tritt aber eine neue Befreiungstheologie auf, in der ein kapitalistisches Modediktat genau so überwunden wird, wie die Ausbeutung des weiblichen Körpers, schlägt die Zivilisation des Kapitals mit seiner ganzen Macht zurück.

Der 1996 ausgerufene Kampf der Kulturen ist 20 Jahre später im vollen Gang. Allerdings handelt es sich nicht um einen Krieg zwischen verschiedenen Menschengruppen, Herkunftsregionen, Religionen oder ähnlicher Aspekte, sondern um einen Krieg des Kapitalismus gegen den Rest der Menschheit. Die Kultur des Kapitalismus, bzw. deren Handvoll Herrscher, haben sich darauf verständigt, dass die Reichen immer reicher werden sollen auf Kosten des Restes der Menschheit. Sie hatten ihr Ziel fast erreicht. Indem sie alle Kulturen gegeneinander aufgehetzt und Kriege über Kriege erzeugt haben. Die einzige verbliebene Gegenwehr durch die Befreiungstheologie des Islam wollten sie ausmanövrieren durch einen kapitalistischen Frankenstein, den sie „Islamischer Staat“ genannt haben, damit jeder halbwegs vernünftige Mensche, der noch bei Sinnen ist, sich davon distanziert.

Aber alle ihre Maßnahmen haben nicht zu dem gewünschten Ziel geführt. Noch immer ist die Anziehungskraft des revolutionären Islam, der islamischen Befreiungstheologie ungebrochen und immer mehr Menschen beschäftigen sich damit, warum der Westen den IS gegründet hat. Die Vorreiter des Raubtierkapitalismus, wie der US-Imperialismus und der Zionismus erleben ihre schwächsten Phasen seit ihrem bestehen. Die USA können nur noch zwei Kandidaten zur Präsidentschaft aufstellen, bei denen selbst die engsten Verbündeten von einer Wahl zwischen Pest und Cholera sprechen [6]. Der Zionismus wird von immer mehr Juden in der ganzen Welt verachtet.

In dieser Lage hängt das zukünftige Wohl einer Gesellschaft sehr stark vom inneren Frieden ab, der durch die Mitglieder der Gesellschaft konstruktiv angestrebt wird. Viele Muslime in Deutschland wollen ein vernünftiges Miteinander. Die dem Kapitalismus dienlichen Journalisten wollen das zumeist nicht. Und bei Politikern hängt es stark davon ab, ob gerade Stammtischwahlkampf ist oder nicht. Nur eines werden die noch so hetzerischen Journalisten und Politiker Europas nicht verhindern können, selbst wenn sie den Heiligen Koran verbieten und alle Moscheen schließen wollen [7]. Für den Götzen des Kapitalismus sind immer weniger Frauen bereit die Last des Kinderkriegens auf sich zu nehmen. Muslimas werden auch in dieser Gesellschaft mehr werden. Der Kapitalismus sieht den Bürgerkrieg als Chance für sich. Die Befreiungstheologie der Menschlichkeit sieht ein vernünftiges Miteinander der gegenseitigen Bereicherung als Chance. Es liegt an uns, was sich durchsetzen wird.

[1] http://www.zeit.de/2016/36/burkini-stran...dervorschriften
[2] http://www.muslim-markt.de/forum/messages/1693.htm
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Sibel_Kekilli
[4] http://www.welt.de/sport/article15776164...hen-Spiele.html
[5] https://de.wikipedia.org/wiki/Kampf_der_Kulturen
[6] http://www.huffingtonpost.de/2016/07/13/...n_10960360.html
[7] http://www.derwesten.de/politik/niederla...id12136285.html

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