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Religion & Politik im Islam

RE: Offener Brief an Wirtschaftsminister Gabriel zum arroganten Auftreten im Iran

 von Yavuz Özoguz , 21.07.2015 11:36

Liebe Dörte,

es gibt keinen Zweifel, das Ahmedinedschad 150% hinter der Islamischen Revolution stand und steht. Und dass er auch Imam Chamene'i unterstützt hat und zu ihm stand, steht auch außer Frage. Das, was ich angedeutet habe, ist nicht auf den Niveau zu bewerten, auf dem in der Westlichen Welt solche Dinge geschehen. Wenn es hier zu einem "Bruch" zwischen zwei Führungspersonen kommt, dann muss einer gehen und es ist ein unheilbarer Bruch. In der Islamischen Republik Iran sind diese Dinge mit anderen Maßstäben zu bewerten. Dort gibt es z.B Anhänger Imam Chamene'is, die der Meinung sind, dass er der rechtmäßige Vertreter des erwarteten Erlösers ist, sie vermuten, dass er mit diesem in Kontakt steht und betrachten jede seiner Anweisungen wie eine Anweisung des Erlösers oder des Propheten oder gar Gottes! Daneben gibt es Anhänger, die Imam Chamene'i zwar für die Heiligkeit unserer Zeit halten, aber nicht so weit gehen würden, ihn als Vertreter des 12. Imams anzusehen. Daneben gibt es Anhänger, die ihn zwar für einen sehr weisen und großartigen Menschen halten, aber ihn nicht als Heiligkeit der Zeit bezeichnen würden. Im Iran gibt es Anhänger Imam Chamene'is, die ihn liebend gerne und immer wieder "Imam" nennen, andere, die das zuweilen tun und wiederum andere, die sich weigern, ihm diesen Titel zu geben, obwohl sie ihn lieben. Aus westlicher Sicht handelt sich bei allen genannten Gruppen um Anhänger Imam Chamene'is und viele können diese Dinge weder verstehen noch unterscheiden. Ahmedinedschat gehörte anfänglich zu der Gruppe, die in Imam Chamene'i die unanfechtbare religiöse Autorität sahen. Dafür ist er gewählt worden! Im Laufe seiner Amtszeit wurde er dermaßen gelobt und dermaßen "erhöht", dass sein Verhältnis zum Imam geschwächt wurde, weil er auf jenes Getöse gehört hat. Im Youtube gab es Videos, die ihn zum Kommadanten des Erlösers dargestellt haben. Die Videos waren so professionell, dass zu vermuten ist, dass bestimmte Kreise dahinter stecken, die den Imam schächen wollten. Spätestens bei einer Personalfrage, bei der sich Ahmedinedschad nicht durchsetzen konnte gegen den Imam, und sich daraufhin eine Woche zurückgezogen hat, war klar, dass hier etwas nicht stimmt.

Das Problem der darauffolgenden Wahlen bestand nicht in Ruhani! Der wurde ganz normal gepuscht vom kapitalistisch angehauchten Rafsandschani, wie zuvor andere gepuscht wurden. Das Problem bestand darin, dass sich die Imam-Anhänger nicht auf einen einzigen Kandidaten einigen konnten und "gespalten" auftraten. Zudem hatte kein Kandidat das Charisma, den Imam so zu folgen, wie es Ahmedinedschad zu Beginn seiner Amtszeit getan hat. Daher mussten die Anhänger verlieren, und das war auch gut so als Reinigungsprozess. Dabei soll nicht der Eindruck entstehen, dass Ruhani gegen den Imam wäre. Er versteht nur das "Imamat" Imam Chamene'is nicht in dem Maß, wie es sich andere wünschen würden.

Aus Sicht des Westens spielen diese Nuancen nur insofern eine Rolle, dass man die Hoffnung hat, mit Kräften um Ruhani in 20-30 Jahren die Islamische Republik schwächen und beseitigen zu können. Mit den anderne Kräften glaubt man das nicht einmal in solch einem Zeitraum. Der Antiimperialismus ist im Iran Staatsdoktrin, wie der Imperialismus und Kolonialismus (in Form von Israel) in Deutschland Staatsdoktrin geworden ist ist. In Deutschland wurde die Staatsdokrin von der Kanzlerin festgelegt, hat aber keinen Verfassungsrang. Sie widerspricht nach meiner Ansicht sogar dem Grundgesetz. Im Iran hat der Anitiimperialismus Verfassungsrang.

Doch um auf die Ausgangsfrage zurück zu kommen: Ich denke dass diese Art von Betrachtung zu hoch für Gabriel wäre. Der kennt nur das Scheckbuch und sein arrogantes Überlegenheitsgefühl, der den Iranern etwas schenken wolle. Wie lächerlich er sich und Deutschland damit bei den politisch sehr gebildeten Iranern macht, merkt er nicht einmal.

Yavuz Özoguz
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